Der Landesverband der Freien Berufe in Schleswig-Holstein e.V. hatte für den 20.02.2018 wieder zum alljährlichen Jahresempfang nach Kiel geladen. Rund 60 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und den Freien Berufen waren dieser Einladung gefolgt. Neben dem Ministerpräsidenten Daniel Günther waren auch zahlreiche Abgeordnete des Landtages Gäste des Abends.

In der Begrüßung betonte Lars-Michael Lanbin, Präsident des Landesverbandes der Freien Berufe in Schleswig-Holstein e.V., dass die Beschränkungen der Freien Berufe durch Vorgaben der Europäischen Union (EU) ein Ende haben müssten. Die Deregulierungsmaßnahmen der EU zerstörten nach Ansicht von Lanbin die Basis der Freiberuflichkeit, die mit ihren gesellschaftlichen, rechtlichen und wirtschaftlichen Elementen ein stabiler und prägender Bestandteil staatlicher Strukturen der Bundesrepublik Deutschland sei. Lanbin verdeutlichte den hohen Stellenwert der Freien Berufe, wie z. B. Ärzte, Apotheker, Notare oder Steuerberater, im Vergleich zu anderen Berufsgruppen. „In den freien Berufen können Maßzahlen wie Produktivität oder Wertschöpfung nicht in dem Maße verwendet werden, wie es in anderen Wirtschaftsbereichen oder der Industrie üblich ist. Eine Beschleunigung von diesen persönlichen Dienstleistungen wird in vielen Bereichen zu Qualitätsverlusten führen,“ warnte Lanbin.
Zudem stellte Lanbin heraus, dass der Mittelstand als Ganzes im Koalitionsvertrag zu kurz komme. Trotz seit Jahren sprudelnder Steuereinnahmen freue man sich in Berlin über eine große Verhandlungsmasse zum Geldausgeben, komme aber nicht auf die Idee, die Unternehmer und Arbeitnehmer, die dies mit ihrem hohen täglichen persönlichen Einsatz im Wesentlichen erwirtschaften, in der Abgabenlast zu entlasten. Ein Spitzensteuersatz, der bereits unter 60.000 Euro in der Grundtabelle greife, sei völlig fehl am Platze. Das Verhältnis zwischen dem Start des Spitzensteuersatzes und dem Durchschnittslohn sei seit 1960 vom 18-Fachen auf das 1,6-Fache gesunken. „Erhält ein Angestellter bei 5.000 Euro Monatsgehalt 100 Euro mehr Gehalt, hat er dafür häufig nur ein müdes Lächeln übrig, bleiben doch tatsächlich nur 46 Euro mehr netto in seiner Tasche. Den Arbeitgeber kostet dies jedoch ca. 130 Euro. Leistungsgerecht kann man dies nun wirklich nicht nennen“, so Lanbin.

Ministerpräsident Daniel Günther würdigte beim Jahresempfang des Landesverbandes in Kiel die Freiberufler als starken Bestandteil der Wirtschaft: „Sie sind wichtig für uns in Schleswig-Holstein. Schließlich sind Sie es, die jeden zehnten Euro unseres Bruttoinlandsproduktes erwirtschaften. Mit Ihren Berufen tragen auch Sie zur wirtschaftlichen Dynamik in Schleswig-Holstein bei“, sagte Günther.

Die Marktzutrittsregeln für freiberufliche Dienstleistungen begründete Prof. Dr. Wolfgang Ewer, Präsident des Bundesverbandes der Freien Berufe, in seinem Vortrag: „Marktzutrittsregeln sind bei freiberuflichen Dienstleistungen sinnvoll. Sie führen zu Wohlfahrtsgewinnen, höherer Markteffizienz und sichern Qualität. Demgegenüber würde ein freier Marktzutritt zu Preiswettbewerb führen, dessen Leidtragende die Verbraucher wären: Denn Preisdumping führt zu Qualitätsdumping. Für Vertrauensgüter – das sind freiberufliche Dienstleistungen – führt deshalb an Regulierung kein Weg vorbei. Wir setzen auf Kontinuität und weitere Rückendeckung der Bundesregierung gegenüber den EU-Deregulierungsoffensiven“, betonte Prof. Dr. Ewer.

Lars-Michael Lanbin (2 v.re.), Präsident des Landesverbandes der Freien Berufe in Schleswig-Holstein e.V., und Dr. Yvonne Kellersohn (Geschäftsführerin, li.) begrüßten Ministerpräsident Daniel Günther (2 v.li.) und Professor Dr. Ewer (re.) zum traditionellen Jahresempfang.